PRF-Varianten: L-PRF, A-PRF, A-PRF+ und i-PRF im Vergleich
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PRF · Varianten und Protokolle
L-PRF, A-PRF, A-PRF+ und i-PRF entstehen alle aus Blut ohne Antikoagulans. Sie unterscheiden sich in drei Stellgrößen: Zentrifugalkraft, Laufzeit und Röhrchenwand. Die festen Varianten gerinnen in Glasröhrchen oder in Kunststoffröhrchen mit Glas- oder Silika-Beschichtung und laufen 8 bis 14 Minuten, in einer Vergleichsstudie mit rund 200 bis 650 × g am Röhrchenboden. i-PRF bleibt zunächst flüssig: 3 Minuten bei rund 60 × g, in der Literatur in Kunststoff ohne Beschichtung.
Lesezeit ca. 8 Minuten · Stand: Oktober 2026
Was alle PRF-Varianten gemeinsam haben
PRF gilt als zweite Generation der Thrombozytenkonzentrate, nach PRP.[1] Der Unterschied beginnt im Röhrchen: PRF entsteht ohne Antikoagulans. Das ursprüngliche Protokoll nach Choukroun aus dem Jahr 2001 sieht 10 ml Blut ohne Zusatz vor, das sofort zentrifugiert wird, mit 2.700 U/min, rund 400 × g, für 12 Minuten.[1] In der Mitte des Röhrchens entsteht zwischen thrombozytenarmem Plasma und roten Blutkörperchen ein Gerinnsel, das Thrombozyten und Leukozyten einschließt. Daher der Name L-PRF: leukozyten- und thrombozytenreiches Fibrin.[1]
Alle späteren Varianten ändern dieses Protokoll an denselben drei Stellen.
Kraft. Die relative Zentrifugalbeschleunigung (RCF), angegeben in × g. Hohe Kräfte drängen die Zellen in den unteren Teil des Röhrchens.[1]
Zeit. Die Laufzeit, bei den vier Varianten hier 3 bis 14 Minuten.
Röhrchenwand. Stößt sie die Gerinnung an, entsteht ein festes Gerinnsel. Tut sie es nur schwach, bleibt das Plasma eine Zeit lang flüssig.[1]
Vier Varianten im Einzelnen
L-PRF: das Ausgangsprotokoll. Dohan Ehrenfest und Kollegen nennen dafür Kunststoffröhrchen mit Glasbeschichtung, 2.700 U/min und 12 Minuten.[2] Nach ihren Versuchen prägen Zentrifuge und Protokoll Zellen, Wachstumsfaktoren und Fibrinstruktur; Ergebnisse von L-PRF seien nicht auf A-PRF übertragbar.[2]
A-PRF: niedrigere Drehzahl, längere Zeit. 2014 stellten Ghanaati und Kollegen „advanced PRF“ vor: 1.500 U/min für 14 Minuten, verglichen mit 2.700 U/min für 12 Minuten.[3] Eine spätere Arbeit, an der Choukroun ebenfalls beteiligt war, nennt für A-PRF 1.300 U/min für 14 Minuten.[4] Derselbe Name steht also für zwei Drehzahlen.
A-PRF+: niedrigere Drehzahl, kürzere Zeit. 1.300 U/min für 8 Minuten. Die Autoren nennen das Prinzip „low-speed + time“: Neben der Drehzahl ist auch die Laufzeit reduziert.[4]
i-PRF: kurz und langsam. 700 U/min, rund 60 × g, für 3 Minuten.[5] In der Literatur wird dafür in Kunststoffröhrchen ohne Beschichtung zentrifugiert. Ihre wasserabweisende Oberfläche aktiviert die Gerinnung nur schwach, die gewonnene Schicht lässt sich mit der Spritze aufziehen.[1] Flüssig bleibt sie nicht unbegrenzt. Wie lange, hing in einer Studie mit 30 Personen von Röhrchentyp und Kühlung ab, dort mit einem anderen Zentrifugationsprotokoll.[8]
Hinter A-PRF, A-PRF+ und i-PRF steht das Low-Speed-Konzept. Die Idee: Mit weniger Kraft sollen mehr Thrombozyten und Leukozyten in der oberen Fraktion bleiben, statt nach unten gedrängt zu werden.[1] In der ersten A-PRF-Studie, mit Gerinnseln von vier Spendern, lagen neutrophile Granulozyten bei niedrigerer Drehzahl vermehrt im Teil des Gerinnsels, der vom Buffy Coat abgewandt ist.[3]
Laborbefunde, keine klinischen Aussagen. Ob sich die Varianten in Zellgehalt und Wachstumsfaktoren unterscheiden, beantworten zwei Laborstudien mit je acht Spendern unterschiedlich: Die eine fand Unterschiede zwischen L-PRF und den Low-Speed-Varianten,[4] die andere keine statistisch signifikanten.[6] Klinische Schlüsse lassen sich daraus nicht ziehen. Zur Einordnung: Laut Quelle 5 hat Joseph Choukroun (Quellen 3 bis 5) ein PRF-Unternehmen gegründet, laut Quelle 8 hält Richard J. Miron (Quellen 4, 5, 7 und 8) geistiges Eigentum zur Herstellung von PRF.
Die Protokolle im Vergleich
| Variante | Drehzahl und Zeit | RCF am Gerinnsel / am Boden | Röhrchen in der Quelle | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| L-PRF | 2.700 U/min, 12 Minuten[2] | 408 × g / 653 × g[6] | Kunststoff mit Glasbeschichtung[2]; in der Vergleichsstudie Glas oder Kunststoff mit Silika-Beschichtung[6] | fest, zur Membran pressbar[2] |
| A-PRF | 1.500 U/min, 14 Minuten[3]; auch 1.300 U/min, 14 Minuten[4] | 193 × g / 276 × g[6] | Glas oder Kunststoff mit Silika-Beschichtung[6] | fest[3] |
| A-PRF+ | 1.300 U/min, 8 Minuten[4] | 145 × g / 208 × g[6] | Glas oder Kunststoff mit Silika-Beschichtung[6] | fest[6] |
| i-PRF | 700 U/min, 3 Minuten[5] | rund 60 × g, ohne Messpunkt[5] | Kunststoff ohne Beschichtung[1] | flüssig, aufziehbar[1] |
Die RCF der festen Varianten und die Röhrchen bei A-PRF und A-PRF+ stammen aus einer Vergleichsstudie mit zwei Zentrifugen; andere Arbeiten nennen abweichende Werte. Drehzahlen gelten für die Zentrifuge der jeweiligen Quelle.
Fest oder flüssig: Die Röhrchenwand entscheidet mit
Die festen Varianten brauchen eine Wand, die die Gerinnung anstößt. In der Vergleichsstudie entstanden bei allen drei festen Varianten in Glas wie in silikabeschichtetem Kunststoff Gerinnsel, die zu Membranen gepresst wurden.[6] Für i-PRF gilt das Gegenteil: Kunststoff ohne Beschichtung aktiviert die Gerinnung nur schwach.[1]
Flüssiges PRF ist nicht an niedrige Kräfte gebunden. In einer neueren Studie wurde es in PET-Kunststoffröhrchen mit 700 × g am Röhrchenboden für 8 Minuten zentrifugiert, in einer horizontalen Zentrifuge.[8] Solche Werte gelten nur für diese Kombination aus Röhrchen und Zentrifuge.
Was das für Density bedeutet. Die Density PRF-/PRP-Glasröhrchen fassen 9 ml und kommen ohne Antikoagulans und ohne Trenngel. Für PRF nennen die Herstellerunterlagen zwei Wege: festes PRF mit 1.300 U/min für 8 Minuten und flüssiges PRF mit 700 U/min für 3-4 Minuten, mit Weiterverarbeitung innerhalb von 15 Minuten. Die Zentrifugation startet jeweils innerhalb von 60 Sekunden nach der Entnahme. Für weitere Protokolle aus der Literatur nennen die Unterlagen keine Parameter.
Beim Weg für flüssiges PRF unterscheidet sich das Röhrchen von der Literatur. Dort ist Kunststoff ohne Beschichtung beschrieben,[1] Density ist ein Glasröhrchen. Studienwerte zu flüssigem PRF lassen sich deshalb nicht auf Density übertragen, maßgeblich sind die Herstellerangaben. Wie das Material die Gerinnung beeinflusst, erklärt der Beitrag Glas oder Kunststoff.
Die Zahlen richtig lesen
Vergleichbar ist nicht die Drehzahl, sondern die RCF. Eindeutig ist auch sie erst mit Messpunkt, denn jede Höhe im Röhrchen hat ihren eigenen Abstand zur Drehachse.
Für L-PRF finden Sie deshalb verschiedene Zahlen: rund 400 × g in der Beschreibung des Standardprotokolls,[2] 408 × g am Gerinnsel und 653 × g am Röhrchenboden in einer späteren Vergleichsstudie.[6]
Fachautoren fordern, dass PRF-Studien unter anderem Rotormaße und Rotorwinkel, die RCF mit Messpunkt, die Röhrchen und das Zentrifugenmodell angeben.[7]
Ein Beispiel: Die Density-Unterlagen nennen für festes PRF 1.300 U/min, ohne Bezugsgerät. An der Hettich EBA 200 MD mit 86 mm Radius für 9- bis 10-ml-Röhrchen ergeben 1.300 U/min rechnerisch rund 160 × g am Röhrchenboden. In der Vergleichsstudie lag ein Protokoll mit derselben Drehzahl bei 208 × g.[6] Welche RCF Ihr Protokoll meint, klären Sie deshalb vor dem ersten Lauf. Den Rechenweg zeigt der Beitrag Protokoll auf eine andere Zentrifuge übertragen.
Auch die Zeit bis zum Start gehört zum Protokoll. Die Vergleichsstudie prüfte das an L-PRF in Kunststoffröhrchen mit Silika-Beschichtung, mit Blut von drei Personen. Die Membranen wurden umso kürzer, je länger das Blut vor dem Zentrifugieren stand. Dauerte es länger als 5 Minuten, bei einer Person länger als 3 Minuten, entstand ein formloses Gerinnsel, das sich nicht mehr zur Membran pressen ließ.[6] Mehr dazu im Beitrag Blutentnahme für PRP und PRF.
Welches Protokoll für welche Praxis?
Die Wahl der Variante ist eine fachliche Entscheidung. Hier geht es um Röhrchen, Gerät und Ablauf.
Festes PRF mit Density
Sie arbeiten mit festem PRF und mit Density.
Die Herstellerunterlagen nennen 1.300 U/min für 8 Minuten, Start innerhalb von 60 Sekunden. Klären Sie beim Hersteller, welche RCF gemeint ist, und rechnen Sie diese auf Ihre Zentrifuge um.
Flüssiges PRF mit Density
Sie brauchen PRF in flüssiger Form.
Laut Unterlagen 700 U/min für 3-4 Minuten, Weiterverarbeitung innerhalb von 15 Minuten. Das Zeitfenster ist kurz: Spritzen und Kanülen liegen bereit, bevor Sie punktieren.
Erst prüfen
Ihr Protokoll stammt aus der Literatur.
Für andere Protokolle nennen die Density-Unterlagen keine Parameter. Fragen Sie beim Hersteller Ihres Röhrchens nach, ob das Protokoll dafür vorgesehen ist, und prüfen Sie die Zweckbestimmung. Röhrchen für PRF finden Sie unter PRF-Röhrchen.
PRF Power Kit Pro
Sie bauen PRF neu auf und haben noch keine Zentrifuge.
Das PRF Power Kit Pro kombiniert die Hettich EBA 200 MD, ein Medizinprodukt der Klasse IIa, mit 30 Density Glasröhrchen und Verbrauchsmaterial. Die Zentrifuge ist ab 200 U/min einstellbar.
In fünf Schritten zum eigenen PRF-Protokoll
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Variante mit Quelle festlegen
Der Name allein reicht nicht. A-PRF ist mit 1.500 und mit 1.300 U/min beschrieben.[3][4] Notieren Sie die Publikation oder Herstellerunterlage, auf die Sie sich beziehen.
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Kraft mit Messpunkt übernehmen
Halten Sie fest, ob die RCF am Gerinnsel oder am Röhrchenboden gemeint ist, und rechnen Sie auf den Radius Ihrer Zentrifuge um. Für die EBA 200 MD gelten 86 mm bis zum Boden eines 9- bis 10-ml-Röhrchens.
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Röhrchen nicht tauschen
Fest oder flüssig hängt auch an der Röhrchenwand. Ein Protokoll für Glas lässt sich nicht ungeprüft in Kunststoff fahren, und umgekehrt. Maßgeblich sind Zweckbestimmung und Gebrauchsanweisung des Röhrchens.
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Start vorbereiten
Programm, Rotor und Ausgleichsröhrchen stehen bereit, bevor Sie punktieren. Die Density-Unterlagen sehen den Start innerhalb von 60 Sekunden vor.
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Alles in die Arbeitsanweisung
Halten Sie Zentrifuge, Rotor und Winkel, RCF mit Messpunkt oder Drehzahl, Zeit, Bremsstufe, Röhrchen mit Artikelnummer und Startfenster fest. Das lehnt sich an die Angaben an, die Fachautoren für Studien fordern.[7]
Häufige Fragen
Ist L-PRF dasselbe wie Choukroun-PRF oder S-PRF?
Im Kern ja. Das ursprüngliche Protokoll nach Choukroun wird meist als Choukroun-PRF oder L-PRF bezeichnet.[1] In der ersten A-PRF-Studie hieß das Vergleichsprotokoll mit 2.700 U/min für 12 Minuten S-PRF, für Standard-PRF.[3] Entscheidend sind die Parameter, nicht der Name.
Ist eine Variante grundsätzlich besser?
Das lässt sich aus den Laborstudien nicht ableiten, sie kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.[4][6] Die Wahl ist eine fachliche Entscheidung im Einzelfall.
Gibt es weitere PRF-Varianten?
Ja, zum Beispiel T-PRF in Röhrchen aus Titan oder CGF mit wechselnden Drehzahlen.[1]
Braucht PRF eine besondere Zentrifuge?
Sie muss die niedrigen Drehzahlen sicher erreichen, und ihre Zweckbestimmung muss die Aufbereitung von Blut zur Anwendung am Patienten abdecken. Hintergründe im Beitrag Zentrifuge für PRP: Voraussetzungen.
Zu den Produkten
- Density10 Glasröhrchen, 9 ml, ohne Antikoagulans und Trenngel
- PRF Power Kit ProHettich EBA 200 MD und 30 Density Glasröhrchen
- Hettich EBA 200 MDMedizinprodukt Klasse IIa, ab 200 U/min einstellbar
- PRF-RöhrchenAlle Röhrchen für PRF im Überblick
Quellen
- Pavlovic V, Ciric M, Jovanovic V, Trandafilovic M, Stojanovic P. Platelet-rich fibrin: basics of biological actions and protocol modifications. Open Med (Wars). 2021;16(1):446-454. doi:10.1515/med-2021-0259
- Dohan Ehrenfest DM, Pinto NR, Pereda A, et al. The impact of the centrifuge characteristics and centrifugation protocols on the cells, growth factors, and fibrin architecture of a leukocyte- and platelet-rich fibrin (L-PRF) clot and membrane. Platelets. 2018;29(2):171-184. doi:10.1080/09537104.2017.1293812
- Ghanaati S, Booms P, Orlowska A, et al. Advanced platelet-rich fibrin: a new concept for cell-based tissue engineering by means of inflammatory cells. J Oral Implantol. 2014;40(6):679-689. doi:10.1563/aaid-joi-D-14-00138
- Fujioka-Kobayashi M, Miron RJ, Hernandez M, Kandalam U, Zhang Y, Choukroun J. Optimized platelet-rich fibrin with the low-speed concept: growth factor release, biocompatibility, and cellular response. J Periodontol. 2017;88(1):112-121. doi:10.1902/jop.2016.160443
- Miron RJ, Fujioka-Kobayashi M, Hernandez M, et al. Injectable platelet rich fibrin (i-PRF): opportunities in regenerative dentistry? Clin Oral Investig. 2017;21(8):2619-2627. doi:10.1007/s00784-017-2063-9
- Castro AB, Andrade C, Li X, Pinto N, Teughels W, Quirynen M. Impact of g force and timing on the characteristics of platelet-rich fibrin matrices. Sci Rep. 2021;11:6038. doi:10.1038/s41598-021-85736-y
- Miron RJ, Pinto NR, Quirynen M, Ghanaati S. Standardization of relative centrifugal forces in studies related to platelet-rich fibrin. J Periodontol. 2019;90(8):817-820. doi:10.1002/JPER.18-0553
- Miron RJ, Horrocks NA, Zhang Y, Horrocks G, Pikos MA, Sculean A. Extending the working properties of liquid platelet-rich fibrin using chemically modified PET tubes and the Bio-Cool device. Clin Oral Investig. 2022;26(3):2873-2878. doi:10.1007/s00784-021-04268-x
Produktangaben: Produktunterlagen Density (Xenoderm Srl), Unterlagen der Andreas Hettich GmbH (Tuttlingen).
Hinweis für Fachanwender: Dieser Beitrag gibt einen Überblick über publizierte PRF-Protokolle und Herstellerangaben. Er ersetzt weder Gebrauchsanweisung und Kennzeichnung noch die fachliche Prüfung im Einzelfall.
Ausschließlich für medizinisches Fachpersonal.