Schema: Vi PRP-PRO Röhrchen mit Plasma, Trenngel und Zellen neben einem Density Röhrchen mit Fibrinmatrix

Vi PRP-PRO oder Density: Welches Röhrchen passt zu Ihrem Protokoll?

Röhrchenwahl · PRP und PRF

Beide Röhrchen fassen 9 ml, beide sind aus Glas. Der Unterschied steckt in dem, was bei Lieferung schon drin ist. Genau das legt fest, ob Sie PRP oder PRF aufbereiten und wie viele Handgriffe zwischen Blutentnahme und fertigem Präparat liegen.

Lesezeit ca. 7 Minuten · Stand: Oktober 2026

Was bei Lieferung im Röhrchen ist

Ob aus Vollblut PRP oder PRF wird, hängt an einer Frage: Darf das Blut im Röhrchen gerinnen? Die gängige Klassifikation der Thrombozytenkonzentrate trennt PRP und PRF genau hier, nach Fibrinarchitektur und Zellgehalt.[1]

1200 × gLieferungCitrat + GelNach 7 minPlasma · Gel · Zellen
Vi PRP-PROBei Lieferung liegen Natriumcitrat und Trenngel im Röhrchen. Nach 7 Minuten bei 1200 × g trennt das Gel Plasma und Zellen.
oderLieferungleerPRFohne ZusatzPRP+ Antikoagulans
DensityDas Röhrchen kommt leer. Ohne Zusatz bildet sich PRF, mit zugesetztem Antikoagulans entsteht PRP ohne Gelbarriere.
  • Plasma (PRP)
  • Fibrinmatrix (PRF)
  • Trenngel
  • Natriumcitrat
  • Buffy Coat
  • Zellen, vor allem Erythrozyten

Schematische Darstellung, Schichtdicken vereinfacht.

Mit Citrat bleibt das Blut flüssig. Citrat bindet das Calcium im Blut, und ohne freies Calcium läuft die Gerinnungskaskade nicht ab. Die Zentrifuge trennt das flüssige Blut nach Dichte: Zellen nach unten, Plasma nach oben. Die thrombozytenreiche Plasmafraktion ist das PRP.

Ohne Antikoagulans gerinnt es, und das ist gewollt. Glas aktiviert an seiner Oberfläche den Gerinnungsfaktor XII.[2] Die Gerinnung startet also mit der Entnahme. Während der Zentrifugation bildet sich im oberen Teil eine Fibrinmatrix, in der Thrombozyten und Leukozyten eingeschlossen sind: PRF.[1]

Das Glas allein macht noch kein PRF. Auch Vi PRP-PRO ist aus Borosilikatglas. Das vorgelegte Citrat verhindert aber die Gerinnung. Deshalb ist Vi PRP-PRO für PRF nicht vorgesehen.

Trenngel oder freie Entnahme

Im Vi PRP-PRO liegt am Boden ein thixotropes Trenngel. Seine Dichte liegt zwischen der von Plasma und Zellen. In der Zentrifuge wird es fließfähig, wandert zwischen die beiden Fraktionen und wird danach wieder fest. So entsteht eine physische Barriere: oben das Plasma, unten die Zellen. Sie nehmen das Plasma oberhalb der Barriere ab, die sichtbare Grenze vereinfacht die Entnahme.

Density hat keine Barriere. Nach der PRP-Zentrifugation sehen Sie drei Zonen: oben das Plasma, darunter eine dünne weißliche Schicht aus Leukozyten und Thrombozyten, den Buffy Coat, ganz unten die Erythrozyten. Wie nah Sie an diese Schicht heranziehen, entscheiden Sie selbst. Das verändert die Zusammensetzung: Ob ein Präparat als leukozytenarm oder leukozytenreich gilt, hängt in der Klassifikation genau davon ab.[1] Das ist Spielraum, verlangt aber einen festgelegten Handgriff, den alle im Team gleich ausführen.

Gleicher Ablauf, anderes Blut. Auch mit identischem Protokoll schwankt die Zusammensetzung von PRP zwischen Personen und sogar zwischen zwei Entnahmen derselben Person.[6] Mengenangaben je Röhrchen sind deshalb Richtwerte.

Der Vergleich in Zahlen

Merkmal Vi PRP-PRO Density
Bei Lieferung 0,8 ml Natriumcitrat und thixotropes Trenngel leer, ohne Antikoagulans und ohne Trenngel
Material Borosilikatglas, 9 ml Glas, 9 ml
Vorgesehen für PRP mit Citrat PRF ohne Antikoagulans, PRP mit zugesetztem Antikoagulans
Vor der Entnahme nichts vorzubereiten PRF: nichts · PRP: Antikoagulans laut Herstellerunterlagen zugeben
Zentrifugation 1200 × g, 7 Minuten PRP: 1200 × g, 7 Minuten · festes PRF: 1.300 U/min, 8 Minuten; flüssiges PRF: 700 U/min, 3–4 Minuten (ohne Bezugsgerät)
Zeitfenster Verwendung innerhalb von 4 Stunden nach der Aufbereitung PRF: Zentrifugation innerhalb von 60 Sekunden starten; flüssiges PRF innerhalb von 15 Minuten weiterverarbeiten
PRP je Röhrchen ca. 4–4,5 ml ca. 4–5 ml auf dem PRP-Weg
Trennung Gelbarriere ohne Barriere, Entnahme nach Sicht
Klassifizierung Medizinprodukt Klasse IIa, CE 0425 Medizinprodukt Klasse IIa
Packungen bei prplab 2, 10 oder 40 Röhrchen 10 Röhrchen; 30 im PRF Power Kit Pro

Angaben aus den Gebrauchs- und Produktunterlagen der Hersteller. Verbindlich sind die aktuelle Gebrauchsanweisung und die Kennzeichnung.

Welches Röhrchen für welche Praxis?

Selten lautet die Frage, welches Röhrchen besser ist. Meist lautet sie, welches zu dem passt, was in Ihrer Praxis jeden Tag passiert.

Vi PRP-PRO

Sie bieten PRP an und wollen jeden Tag denselben Ablauf.

Nichts zu dosieren, ein Protokoll, eine sichtbare Grenze. Das lässt sich gut in einer Arbeitsanweisung festhalten, auch wenn mehrere Personen im Team aufbereiten. Zum Ausprobieren im eigenen Ablauf gibt es das Set mit 2 Röhrchen.

Density

PRF gehört zu Ihrem Programm.

Ohne Antikoagulans, direkt nach der Entnahme in die Zentrifuge. Prüfen Sie vorher, ob Ihre Zentrifuge die niedrigen PRF-Drehzahlen sicher erreicht. Zentrifuge und 30 Röhrchen gibt es zusammen im PRF Power Kit Pro.

Density

Sie setzen das Antikoagulans selbst zu.

Density wird leer geliefert. Für PRP wird vor der Entnahme ein Antikoagulans zugegeben, Art und Menge laut Herstellerunterlagen; zentrifugiert wird mit 1200 × g für 7 Minuten. Auswahl, Menge und Zugabe erfolgen in ärztlicher oder zahnärztlicher Verantwortung.

Zwei Wege

Sie machen beides, PRP und PRF.

Entweder nur Density: ein Röhrchentyp im Lager, für PRP setzen Sie das Antikoagulans selbst an. Oder Vi PRP-PRO für die PRP-Routine und Density für PRF: zwei Artikel, dafür ein fester PRP-Standard. Je größer Ihr PRP-Anteil, desto mehr Handgriffe spart der zweite Weg.

Die Zentrifuge entscheidet mit

Für Vi PRP-PRO ist die relative Zentrifugalbeschleunigung angegeben: 1200 × g. Welche Drehzahl dafür nötig ist, hängt vom Rotorradius ab.

RCF = 1,118 × 10⁻⁵ × r × n²

r = Radius in cm, gemessen von der Drehachse bis zum Röhrchenboden · n = Drehzahl in U/min

Ein Beispiel: Für 9- bis 10-ml-Röhrchen nennt die Dokumentation der Hettich EBA 200 MD einen Rotorradius von 86 mm. Für 1200 × g ergeben sich daraus rechnerisch rund 3.500 U/min, alternativ stellen Sie die RCF direkt am Gerät ein. Für andere Rotoren rechnet der RCF-Rechner auf der Produktseite von Vi PRP-PRO.

Drehzahl ist nicht alles. Für die Aufbereitung von Blut zur Anwendung am Patienten muss die Zweckbestimmung der Zentrifuge diesen Einsatz abdecken. Zentrifugen, die als In-vitro-Diagnostikum eingestuft sind, sind für die Labordiagnostik bestimmt.

Bei PRF ist es umgekehrt. Die Herstellerunterlagen von Density nennen Drehzahlen, 1.300 U/min für festes und 700 U/min für flüssiges PRF, aber weder Bezugsgerät noch Rotorradius. Dieselbe Drehzahl ergibt auf verschiedenen Zentrifugen verschiedene Kräfte: 1.300 U/min sind bei 7 cm Radius rund 130 × g, bei 11 cm rund 210 × g.

Genau diese Unschärfe kritisieren Fachautoren seit Jahren. Sie fordern, dass Studien zu PRF Rotorradius, Röhrchenwinkel, Drehzahl, Zeit und die daraus berechnete RCF angeben.[5] Das ist mehr als Formsache: In Laboruntersuchungen zum Low-Speed-Konzept veränderte schon eine geringere Zentrifugalkraft, wie viele Zellen und Wachstumsfaktoren sich in der PRF-Matrix fanden.[4] Klären Sie deshalb vor dem ersten PRF-Lauf, welche RCF Ihr Protokoll meint, und rechnen Sie diese auf Ihre Zentrifuge um.

Für PRF muss die Zentrifuge außerdem langsam laufen können. Die Hettich EBA 200 MD ist ab 200 U/min einstellbar.

Drei Fehler, die sich leicht vermeiden lassen

  1. Röhrchen tauschen, Protokoll behalten

    Protokoll und Röhrchen gehören zusammen. Die 1200 × g für 7 Minuten von Vi PRP-PRO lassen sich nicht ungeprüft auf andere Röhrchen übertragen, und umgekehrt. Wie stark das Röhrchen das Ergebnis prägt, zeigt die PRF-Literatur: Dort können Zusätze wie Silica oder Silikon die Gerinnselbildung beeinträchtigen.[3]

  2. Bei PRF Zeit verlieren

    Die Gerinnung beginnt mit der Entnahme. Die Herstellerunterlagen von Density sehen den Start der Zentrifugation innerhalb von 60 Sekunden vor. Rotor, Gegengewicht und Programm stehen also bereit, bevor Sie punktieren.

  3. Drehzahlen abschreiben statt umrechnen

    Eine Drehzahl aus einem Kurs, einer Studie oder von einem anderen Gerät gilt nur für dessen Rotor. Übertragen lässt sich die RCF, nicht die Drehzahl.

Häufige Fragen

Kann ich mit Vi PRP-PRO PRF herstellen?

Nein. Das vorgelegte Natriumcitrat verhindert die Gerinnung, deshalb kann sich keine Fibrinmatrix bilden. Für PRF ist Density vorgesehen.

Kann ich mit Density PRP herstellen?

Die Herstellerunterlagen sehen dafür vor, vor der Entnahme ein Antikoagulans zuzugeben. Art und Menge ergeben sich aus diesen Unterlagen, zentrifugiert wird mit 1200 × g für 7 Minuten. Auswahl und Zugabe erfolgen in ärztlicher oder zahnärztlicher Verantwortung.

Welches Röhrchen liefert mehr PRP?

Die Herstellerangaben liegen nah beieinander: etwa 4 bis 4,5 ml bei Vi PRP-PRO, etwa 4 bis 5 ml auf dem PRP-Weg von Density. Wie viel tatsächlich entsteht, hängt vom Ausgangsblut und vom Prozess ab.[6] Als Entscheidungskriterium taugt die Menge daher kaum.

Warum heißt Density „Platelet Gel“, obwohl kein Trenngel enthalten ist?

„Density Platelet Gel“ ist der Name der Produktlinie. Er bezieht sich nicht auf ein vorgelegtes Trenngel; das Röhrchen wird ohne Gel geliefert.

Welche Zentrifuge brauche ich?

Eine, deren Zweckbestimmung die Trennung von Vollblut und Blutbestandteilen für diesen Einsatz abdeckt, die die benötigte RCF sicher erreicht und für 9-ml-Glasröhrchen freigegeben ist. Für PRF muss sie zusätzlich niedrige Drehzahlen fahren können. Rotor- und Adapterkompatibilität prüfen Sie anhand der Gebrauchsanweisung Ihrer Zentrifuge.

Ist eines der beiden Röhrchen besser?

Nicht grundsätzlich. Die Röhrchen sind für unterschiedliche Präparate und Abläufe vorgesehen. Entscheidend ist, ob Sie PRP oder PRF aufbereiten, welches Antikoagulans Sie verwenden und wie Sie die Entnahme in Ihrem Team standardisieren.

Zu den Produkten

Quellen

  1. Dohan Ehrenfest DM, Rasmusson L, Albrektsson T. Classification of platelet concentrates: from pure platelet-rich plasma (P-PRP) to leucocyte- and platelet-rich fibrin (L-PRF). Trends Biotechnol. 2009;27(3):158–167. doi:10.1016/j.tibtech.2008.11.009
  2. Yamaguchi S, Aizawa H, Sato A, et al. Concentrated growth factor matrices prepared using silica-coated plastic tubes are distinguishable from those prepared using glass tubes in platelet distribution. Front Bioeng Biotechnol. 2020;8:600. doi:10.3389/fbioe.2020.00600
  3. Miron RJ, Kawase T, Dham A, Zhang Y, Fujioka-Kobayashi M, Sculean A. A technical note on contamination from PRF tubes containing silica and silicone. BMC Oral Health. 2021;21:135. doi:10.1186/s12903-021-01497-0
  4. Choukroun J, Ghanaati S. Reduction of relative centrifugation force within injectable platelet-rich-fibrin (PRF) concentrates advances patients’ own inflammatory cells, platelets and growth factors: the first introduction to the low speed centrifugation concept. Eur J Trauma Emerg Surg. 2018;44(1):87–95. doi:10.1007/s00068-017-0767-9
  5. Miron RJ, Pinto NR, Quirynen M, Ghanaati S. Standardization of relative centrifugal forces in studies related to platelet-rich fibrin. J Periodontol. 2019;90(8):817–820. doi:10.1002/JPER.18-0553
  6. Mazzocca AD, McCarthy MB, Chowaniec DM, et al. Platelet-rich plasma differs according to preparation method and human variability. J Bone Joint Surg Am. 2012;94(4):308–316. PubMed 22336969

Produktangaben: Gebrauchsanweisung Vi PRP-PRO (D-BIOTECH S.R.L.S., Catania), Produktunterlagen Density (Xenoderm Srl).

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